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Museum Dr. Guislain
Museum für die Geschichte Psychiatrie und Außenseiterkunst |
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Museum Dr. Guislain
Kunst aus seelischer Not Allen Künstler, deren Arbeiten das Museum bewahrt, ist eine erlittene Traumatisierung gemeinsam, die sich in den Kunstwerken einen Weg bahnt. Die Welten, die sich vor dem Betrachter auftun, kann man als ver-rückt, im Sinne des verlorenen Gleichgewichts, deuten. Auffallend ist die besondere Akribie, mit der die einzelnen Werke entstanden sind. Engagiert, bisweilen besessen von der Idee, ein eigenständiges Kunstwerk zu schaffen, gingen Künstler wie Willem van Genk, Marc Lamy, Roy Wenzel, Bonaria Manca, Jaco Kranendonk oder Bertus Jonkers ans Werk.
Die ehemalige Kunstsammlung De Stadshof ist von unschätzbarem Wert, baut sie doch Brücken zur Art brut, zu den Arbeiten von CoBrA, zum Schaffen von Paul Klee und den Surrealisten, die jeder auf seine Weise eigene Welten schufen, wie dies auch für Gegenwartskünstler gilt, ob sie nun Panamarenko oder Beuys heißen mögen.
Die Sammlung, die auf einen Sammlungszeitraum von 15 Jahren zurückblickt, ist nicht allein auf Außenseiterkünstler der Niederlande oder des niederländischsprachigen Raumes beschränkt, sondern hat auch Arbeiten beispielsweise des Inders Nek Chand, der Amerikanerin Rosemary Koczy und des Kroaten Sava Sekuliæ aufgenommen.
Züge, Brücken, Eisenbahnen - eine Hymne der modernen Technik Züge, Züge, Züge, Trams, Flugzeug sowie Brücken aus Stahl und Nieten bestimmen die Welt des Willem van Genk. Er bastelte aus dem Verpackungsmüll der Wohlstandsgesellschaft seine Züge und nahm dabei die Rolle des „Königs aller Eisenbahnen“ ein. Diese bewegte Welt der Technik stand für van Genk stellvertretend für Magie, Macht und Fortschritt. Magische Kräfte gingen für ihn auch von langen Regenmänteln aus. In seinem Haus besaß er eine umfängliche Kollektion, da er jeden Mantel nur einmal trug. Nach dem einmaligen Tragen verloren sie nämlich nach van Genks Auffassung die magische Kraft, die Macht bedeutete. Zurückzuführen sind derartige Vorstellungen auf van Genks Kindheit: Er hatte die Hausdurchsuchungen von Gestapo-Angehörigen erlebt, die alle mit langen Mänteln in Erscheinung traten. In der Verkürzung des Sachverhalts entstand die Verbindung Gestapo, Macht und langer Regenmantel. Ein Teil der gesammelten Regenmäntel gehört zum Fundus des Museums.
Darüber hinaus schuf der Künstler so genannte Mikro-Collagen wie „Studienreise von Beatrix und Klaus nach Moskau“ und „Brooklyn Bridge“ (1975), ein Gewirr aus moderner Architektur mit Hochhäusern und riesigen Baukränen, einem Luftschiff, einem Ozeandampfer und einem Sportflugzeug. Die Faszination der Bewegung und des modernen Verkehrsmittels Eisenbahn spiegelt sich bei van Henk auch in „Central Station Amsterdam“ wieder. Neben Zügen, Signalanlagen, Gleiskörpern und einer Straßenbahn in einer Allee haben sich in diese Bilderwelt der „modernen Technik“ auch „fossile Bauwerke“ eingeschlichen: die für die Niederlande so typischen Windmühlen.
Religion und Hitlerwahn Der aus Amsterdam stammende Siebe Wiemer Glastra gestaltete überwiegend religiöse Motive in dunklen Farbnuancen, so auch „Das Haupt Johannes des Täufers und goldener Schal“ (1966). Theo von Aachen (1917-1998), der dem Nazi-Terror und der Gaskammer entkommen war, lässt Hitler in seinen Bildern auferstehen. Dabei dienen ihm für die Darstellung Magazine als Vorlage. Expressive Farbwahl und „Punkt, Punkt, Komma, Strich“ sind für die Arbeiten Adam Nidzgorski (1933) kennzeichnend. Minutiös hat Marc Lamy in unbetitelten Arbeiten, die 1997 und 1998 entstanden, ornamentale Muster auf Papier gebracht, die auf den ersten Blick einem Kaleidoskop gleichen, sich jedoch bei näherem Hinsehen als großäugige Wesen entpuppen. Bertus Jonkers hingegen schuf aus Putzzement und Glas eine eigene Modellstadt mit Hochhäusern, putzigen Dorfhäuschen, Tempelbauten, einer Pyramide, einer "Bauhaus-Villa", einem architektonisch umgerüsteten Brotkasten und einer Kirche. Um die Verbreitung von Vollmilcherzeugnissen in einem souveränen Österreich bemühte sich Johann Fischer in seinen Arbeiten, wie deutlich zu lesen ist. Gedehnte, überlängte und fragil wirkende Geschöpfe, die sich an den Händen halten, entspringen Oswald Tschirtners Welt und lassen an Felszeichnungen australischer Ureinwohner der Kimberley-Region denken.
Kunstgesang gegen die Moderne Gegen den rechten Winkel der Moderne, vor allem gegen Le Corbusiers kühle Architektur von Chandigarh, scheint Nek Chand mit seinem „Königreich“ nahe dieser modernen indischen Stadt zu opponieren. Aus zerbrochenen Armreifen sowie aus Kachel- und Keramikbruch schuf er eine eigenständige Welt, in der Vögel, Wasserträgerinnen, Frauengestalten und Maskenmänner vorherrschen. August Walla (1936-2001) hingegen ist vollständig von religiösem Eifer eingenommen, was sich in den Schriftzügen in seinen Arbeiten wie "Christus wurde vom Satan Versucht! Gott, Teufel ... Grüß Gott!" manifestiert. KZ-Erfahrungen bestimmen das Schaffen von Rosemarie Koczy, die in den USA lebt, aber aus Deutschland stammt. Bei ihr tauchen gequälte Kreaturen, verdrehte Körper und zum Himmel gestreckte Arme auf schwarzem Hintergrund auf. Die Erdmutter, die Nährerin der Welt, ist Thema von Seyni Awa (*Senegal, 1939). Sie schuf unter anderem aus Ton die Plastik einer Frau mit zahlreichen, aus dem Frauenkörper entspringenden Kindern. Schließlich ist auch das bunte Karnevalstreiben ein Thema der Außenseiterkünstler, in diesem Fall von Luis Carlos de Figueiredo (1944-1998). |
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